Endlich ist eine gesamte Begehung des höchsten Wasserfall Tirols gelungen

Der Stuibenfall in der Ortschaft Umhausen ist der höchste Wasserfall Tirols und für viele Wanderer und Klettersteigbenützer ein besonderes Naturschauspiel im Ötztal. Mit seinen 159 Metern, die der Hauptfall in die Tiefe stürzt lockte er immer wieder Tausende von naturverbundenen Menschen an, die den tosenden Wassermassen so nahe wie möglich sein möchten. Dies gelingt auch sehr einfach, wenn man die fünf exponierten Plattformen während des Aufstiegs am Wanderweg benützt. Jetzt ist es aber endlich auch gelungen den gesamten Wasserfall canyoningtechnisch zu begehen.

Eine Begehung des gesamten Wasserfalls stand für mich bereits seit den Bauarbeiten zum Klettersteig, den ich mit meinen Bergführerkollegen Ewald Holzknecht und Walter Wille vor zwei Jahren realisieren konnte, fest. Leider ließ diese Begehung allerdings durch verschiedene Umstände bis heute auf sich warten. Es freut mich umso mehr, dass sich ein kleines Team, bestehend aus dem Filmer Holzknecht Ewald, den Akteuren Kracker Thomas, Senn Gerald und mir (Riml Alexander) kurzfristig für diese Tour am Samstag, den 31.10.2009 entschlossen haben. Uns war bewusst, wenn wir dieses Mal nicht einen Versuch wagen, dann müssen wir dieses Projekt wieder für ein weiteres Jahr aufschieben, was keiner von uns wollte.

Als wir die Tour gemeinsam planten, war für uns drei von vornherein ganz klar, dass wir den gesamten Wasserfall und damit auch den gefährlichen Syphon im oberen Teil des Wasserfalls begehen möchten. Denn es gab bereits vor Jahren eine Erstbegehung durch zwei junge Innsbrucker, die aber nur den Hauptfall auf der orografisch rechten Seite begingen und damit die oberen drei technisch schwierigen Stellen ausließen.

Da wir nun endlich die notwendigen Planungen und organisatorischen Maßnahmen für dieses imposante Projekt abschließen konnten, ging es für uns endlich los. Aber es tauchte ein neuerliches Problem auf mit dem wir im Vorfeld nicht wirklich gerechnet hatten. Der gesamte Fels war durch die extrem niedrigen Temperaturen mit einer hauchdünnen Eisschicht überzogen, die uns ein sicheres Vorbewegen deutlich erschwerte. Wir wollten uns aber auch davon nicht beirren lassen und seilten die erste Abseilstelle in einen kleinen Pool ab. Nach dieser Stelle erwartete uns bereits der gefährliche Syphon, der nur bei einem idealen Wasserstand begangen werden kann / sollte, denn die Öffnung ist ca. 90 x 1,20 m groß durch die man zwingend hindurch muss, wenn man hier abseilt. Als wir gemeinsam diese Stelle überwunden hatten, kam schon die nächste Herausforderung für uns, denn wir mussten uns in einen großen Pool abseilen. Dort war es für uns sehr schwer wieder herauszukommen, da durch die Wucht des Wassers und die hauchdünne Eisschicht am Fels fast kein Halt für den Ausstieg zu finden war. Diese Stelle beeindruckt mich aber ganz besonders, denn hier wurde über tausende von Jahren ein riesiges Felstor ausgewaschen, unter dem man im Pool schwimmt.

Als wir auch diese gefährliche Stelle gemeistert hatten standen wir direkt vor dem oberen Teil des Hauptfalls, den wir versuchten direkt im Wasserstrahl mit drei imposanten Abseilstellen zu überwinden. Die erste Abseilstelle dieser drei endete wiederum in einem Pool mit sehr viel Wasserdynamik, die uns den Ausstieg nochmals sehr erschwerten. Wenn man es aber geschafft hat, tut sich an dieser Stelle ein imposanter Tiefblick für jeden Canyoninggeher auf, denn an diesem Standplatz stürzt der Wasserfall ca. 85 m tief nach unten. Hier fanden wir auch ca. 8 Meter entfernt von unserem Standplatz den ersten Haken unserer Vorgänger. Die nächsten zwei Abseilstellen zählen sicherlich zu den eindrucksvollsten Stellen der Tour, da man direkt im Wasserstrahl abseilen muss. Hier wurden von uns aus organisatorischen Gründen für weitere Begehungen nach 50 Metern ein Zwischenstand eingerichtet.

Unten angekommen erwarteten uns noch drei Abseilstellen direkt im Wasserfall, die uns trotz der Kälte sehr viel Spaß machten. Die erste Abseilstelle ist dabei sicherlich die technisch schwierigste Stelle, da sich der Wasserfall zuerst in zwei Wasserstrahle aufteilt, die zum Schluss aber gebündelt auf einen einwirken. Am Schluss dieser Stelle kommt man in einen Pool mit einem Rücklauf, der nicht einfach zu überwinden ist. Am Standplatz angekommen seilt man sich an der zweiten Abseilstelle über eine geneigte Platte ab. Bei dieser Abseilstelle sollte man versuchen sich orografisch rechts zu halten, da man sonst ein Problem bekommen könnte an den letzten Standplatz zu kommen. Als wir auch die letzte Abseilstelle überwunden hatten konnten wir es kaum glauben, wie beeindruckend und schön diese Tour ist.

Achtung: Wer diese Tour komplett wiederholen möchte, muss sehr viel Erfahrung im Bereich Canyoning mitbringen und auf einen idealen Wasserstand achten, da bei viel Wasser der obere und der untere Teil unbegehbar ist!
 

Wichtige Infos:

Die gesamte Tour wurde von uns komplett eingerichtet. Im oberen Teil muss man aber an den ersten beiden Abseilstellen von Bäumen aus abseilen.

Ausgangspunkt: Parkplatz Kneipp-Häusl in Umhausen oder Gasthof Stuibenfall in Niederthai

Zustieg: Über normalen Wanderweg

Rückweg: Nach der letzte Abseilstelle direkt zum Wanderweg

Abseilstellen: 9 Stück

Benötigte Seillänge: 50 m

Einstiegshöhe: ca. 1460 Hm

Ausstiegshöhe: ca. 1250 Hm

Karte: ÖK 50 / Nr. 2227

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