Historie und Beschreibung
Was ist Slacklinen überhaupt?
Slacklinen ist das Balancieren auf einem dehnbaren Kunstfaserband (mit einer Breite von 2.5cm-5cm), das zwischen zwei Punkten fixiert ist. Der Begriff Slackline kommt aus dem Englischen und kann mit "lockeres Band" übersetzt werden.
Das Slacklinen ist eine Form der dynamischen Balance bei der es im Gegensatz zum Balancieren auf einem Stahlseil (statische Balance) nicht unbedingt darauf ankommt eine Gleichgewichtsposition zu halten sondern viel mehr durch ständige Bewegung jede Sekunde neu sein Gleichgewicht zu finden. Die dynamischen Eigenschaften des Bandes sorgen hierbei für ein weitaus abwechslungsreicheres Balancieren als auf starren Stahlseilen und die Einfachheit des Aufbaus macht es möglich beinahe überall eine Slackline zu spannen.
Woher kommts?
Die Entwicklung des Slacklinens steht in engem Zusammenhang mit dem legendären „Camp 4“ im Yosemite-Valley und der Kletterszene. Dort wurde bereits in den 1960er Jahren begonnen, zum Zeitvertreib auf Absperrketten zu balancieren. In den frühen 1980er Jahren kam Adam Grosowsky ins "Camp 4" und mit dem dort verbreiteten Balancieren in Berührung. Mit seinem Freund Jeff Ellington experimentierte er in Olympia/Washington zunächst mit Kletterseilen. Dann waren die beiden die ersten, die ein im Kletterbereich verwendetes Schlauchband spannten: Das Slacklinen – wie wir es heute kennen, als Balancieren auf einem dehnbaren, flachen Kunstfaserband – war geboren. Die Herkunft der Bezeichnung als „Slackline“ bzw. „Slacklinen“ kann heute nicht mehr auf eine konkrete Person oder einen Zeitpunkt zurückgeführt werden. Er ist allerdings die logische Fortführung von Begriffen wie „Slackchain“ oder „Slackwire“. Der Durchhang blieb („slack“), jedoch das Laufmedium war ein Neues, ein Band („line“). Der Sport bleibt lange einer kleinen Gruppe – vor allem den Kletterern in "Camp 4" – vorbehalten. Eine weitere Verbreitung des Sports über „Camp 4“ und die Kletterszene hinaus wird so erst seit 2006 möglich. Inzwischen gibt es überall in der Welt begeisterte Slackliner. Ausschlaggebend ist hierfür neben der Präsenz in den Medien und der Zusammenführung vereinzelter lokaler Szenen auf den immer zahlreicher werdenden Slackline-Treffen und -Events, die Etablierung verschiedener kompletter Slackline Sets auf dem Markt wie auch das Angebot von Slackline-Kursen. Gerade in den letzten Jahren erlebt das Slacklinen nun eine boomartige Entwicklung deren Grenzen noch lange nicht in Sicht sind.
Welche Spielformen gibt es?
Grundsätzlich wird der Begriff Slacklinen wiederum in zwei Bereiche untergliedert: LOWLINEN und HIGHLINEN. Unterscheidungskriterium ist hierbei die Höhe, in der die Slackline angebracht wird.
Eine LOWLINE ist eine Slackline, die in Absprunghöhe befestigt wird, und damit das, was man im allgemeinen Sprachgebrauch gewöhnlich unter einer Slackline versteht.
JUMPLINE/Trickline: Dabei handelt es sich um eine meißt recht hart gespannte Lowline mit einer Länge von 10-15m. Durch die trampolinartige Eigenschaften des Bandes werden Sprünge und Sprungcombinationen möglich. Auch Saltos und verschiedenste statische Tricks, unteranderem Yoga ähnliche Posen gehören zu dem Repertoire von geübten Tricklinern.
LONGLINES sind Slacklines, die über große Distanzen gespannt werden. Ab welcher Länge man bei einer Slackline von einer Longline spricht, ist nicht festgelegt. Generell spricht man aber von Longline, wenn die Slackline länger als 50m ist. Die Herausforderung von Longlines liegt im stark variierenden Schwingverhalten der Line, je nachdem an welcher Stelle man sich gerade befindet (in der Nähe der Fixpunkte schwingt die Line kurz und hart, in der Mitte hat sie eine größere Amplitude und schwingt somit langsamer und weiter), aber auch im Aufrechterhalten von Konzentration, Fokus und Motivation. Bei größeren Längen erhält außerdem die körperliche Ausdauer mehr Gewicht. Auch der Aufbau wird mit zunehmender Länge komplizierter und auch gefährlicher, da die Vorspannung welche man ins Band einbringt dann mehrere Tonnen (max. 2-3t) beträgt und im Falle eines Bandrisses enorme Kräfte freigesetzt werden.
Eine interessante Spielart des Slacklinens sind sogenannte WASSERLINES: Wie der Name schon sagt wird dabei eine Slackline über Wasser gespannt. Die Schwierigkeit liegt ähnlich wie beim Highlinen in der visuellen Orientierung im Raum. Anders als bei Gras oder Sand spiegelt oder/und bewegt sich die Oberfläche von Gewässern. Der verfälschte visuelle Eindruck und die damit verbundene Fehlinformation über die eigene Position im Raum erschweren das Gleichgewichthalten maßgeblich. Daraus ergibt sich der besondere Reiz von Wasserlines.
HIGHLINEN ist die Extremform des Sports. Dabei wird das Band nicht in Absprunghöhe befestigt, sondern in schwindelnden Höhen über Schluchten zwischen Baumwipfeln oder Felsnadeln. Highlinen ist ein Spezialbereich, der nicht nur hinsichtlich des sicheren Sich-Bewegens auf der Slackline besonderes Können voraussetzt, sondern auch ausgezeichnetes Know-How bezüglich Material und Sicherungsmethoden erfordert. Traditionell wird mit der sogenannten Highline-Leash am Band gesichert, dafür bindet man sich gewöhnlich mit einem Stück Kletterseil in einen Klettergurt ein. Am anderen Ende sind Stahlringe mit ausreichender Sicherheit befestigt, die in die Line gefädelt werden und so hinter dem Slackliner herlaufen. Nicht nur ein sicherer Aufbau mit Backup und ausreichender Redundanz, sondern auch Techniken des „Line-Catchens“ (des Fangens der Line, um nicht ungebremst in die Leash zu stürzen) und mentales Training sind fürs Highlinen unerlässlich.
Die Schwierigkeit des Highlinens liegt neben Material und Sicherungstechniken, in der psychologischen Komponente. Wer sich am Boden problemlos auf der Slackline bewegt, kann nicht sofort auch in der Höhe sein Können abrufen. Eine Erklärung hierfür liefert auch die Orientierung im Raum. Nicht nur die Fixierung eines Punktes am Ende der Line erleichtert in der Regel deren Begehen, das periphere Sehen (d.h. die visuelle Wahrnehmung dessen, was außerhalb der Zone liegt, die wir scharf sehen) spielt für die Orientierung des Slackliners im Raum eine wichtige Rolle und wirkt sich direkt auf das Gleichgewichthalten aus. Auf der Highline gibt es gewöhnlich nur wenige visuelle Anhaltspunkte, der Slackliner ist umgeben von Luft, oft gibt es nicht einmal einen Punkt am anderen Ende, der fixiert werden kann. Highlinen ist somit eine besonders anspruchsvolle, schwierige und natürlich auch gefährliche Ausprägung des Slacklinens.
Quelle: www.slackline-tools.de




