Climbing

Romain Desgranges (FRA)

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Geburtstag: 12.10.1982
Wohnort: Chamonix, France 

Wie bist Du zum Klettern gekommen? Wer hat Dich herangeführt?

Vor 15 Jahren habe ich mit dem Klettern angefangen. Wie viele andere französische Kletterer habe ich das Klettern an einer künstlichen Wand in der Schule gelernt und sehr schnell wurde das Klettern wie eine Droge für mich. Ich fuhr mein Studium in Charmonix in einer „Sportschule“ fort. Hier habe ich Fabrice Judenne kennen gelernt, der nicht nur mein Trainer, sondern auch ein sehr guter Freund wurde. Es ist jetzt über 10 Jahre her als ich meine erste 6b geklettert bin und jetzt kann ich meine Träume quasi anfassen. Fabrice brachte mir die Bewegung bei und den Gedanken „die Story“ zu perfektionieren, jedes Detail zu optimieren, das zum Erfolg führt, sogar die Bewegungen, die einem anfangs unmöglich schienen. Später traf ich Fred Rouhling, ein außergewöhnlicher Kletterer. Er öffnete mir die Augen zur Grenzenlosigkeit des Kletterspielplatzes. Ich teile seine Philosophie und seine Haltung zum Leben und zur Aktivität.

Wie wichtig ist Dir die Ethik beim Klettern und was macht sie aus?

Ich halte mich von der Kletterethik ziemlich fern. Ich denke meine Klettergeneration ist da nicht so empfindlich wie die Generationen vor uns. Ich habe meine Regeln und meine Ziele. Ich mach mir nicht viel aus dem, was andere Menschen sagen oder tun, aber zur gleichen Zeit respektiere ich das Spiel, die Spieler und den Spielplatz.

Was ist das besondere am Klettern? Was löst die Leidenschaft und Besessenheit aus, mit der du diesen Sport betreibst?

Wie ich gesagt habe, es ist wie eine Droge – es macht dich schnell süchtig. Man lebt so intensiv mit diesem Sport. Ich liebe das Spiel: die Freude am Sieg und die Enttäuschung einer Niederlage im Wettkampf, oder einfach den Moment nach dem Toppen eines Projekts monatelanger Arbeit. Wenn ich hoch hinaus klettere, dann darf ich nicht fallen. Die Leidenschaft wird auch einfach durch ein kleines Mittagessen am Lagerfeuer hervorgerufen, verloren zwischen Bouldern in Arkansas in der Nacht vorm Klettern, in Neuseeland barfuss durch eine perfekte Wiese spazieren und dabei an das nächste Boulderprojekt denken, oder über einen Markt in Huauji im Zentrum Chinas zu schlendern, bevor es zurück nach Charmonix geht. Eines Tages fiel mir dieser Satz ein: „Wahres Leben beginnt damit, dieses Gefühl Menschen weiterzugeben, die dieses noch nicht empfinden."

Hattest Du selber ein Vorbild?

Viele! Ich erstellte mir ein Mix aus Fred Rouhling, Yuji Hyrayama und einige andere Kletterer, aber auch andere Charaktere die mich berühren wie Zinedine Zidane, Roger Federer und sogar Jack Sparow und JJ Goldman.

Wie viel Zeit verbringst du beim Klettern?

Mein Leben ist dem Klettern gewidmet. Wettkämpfe sind meine Ziele und das fordert eine enorme und unfehlbare Regelmäßigkeit. Ich klettere fast jeden Tag: Routen, Boulder, Draußen, Drinnen... klettern, klettern, klettern.

Auf welche Routen/ Projekte bist Du besonders stolz und warum?

Jeder Teil eines Fels der beklettert werden kann, wird mein Projekt. Ich lege all diese Projekte während der Wettkämpfe zur Seite. Der Aufwand, der erforderlich ist, ist zu unterschiedlich, dass ich es nicht schaffe alles auf einmal nachzugehen. Sobald ich einen Wettkampf gewonnen habe, beeile ich mich, wieder Schritt halten zu können.

Wie würdest Du dich selbst bezeichnen? Als Kletterer oder Boulderer?

Eigentlich habe ich keine Vorlieben – ich klettere gerne. Ob mit Freunden verschollen im Wald vor einem Boulder stehend, oder in den Tiefen einer Höhle, in denen ich mich fühle, niemals hochzukommen. Ich mag die Bewegungen und den Kampf gegen das Nichtloslassen.

Und was macht einen ‚lässigen Boulder’ aus?

Ich erwarte nicht viel. Eine perfekte Bouldersituation: irgendwo auf der Welt verschollen, mit ein paar Freunden und der Boulder ist gerade schwer genug, ihn erst zu bezweifeln, aber am Ende toppen zu können!

Was muss man mitbringen, um in diesem Sport erfolgreich zu sein?

Ich trainiere sehr viel für meine Ziele, sogar für die, die ich wahrscheinlich nie erreichen werde, aber ich versuche es trotzdem. Ich habe ein wundervolles Leben, das ich mit klettern verbringe darf – Erfolg und Siege sind Geschenke des Lebens. Persönliche Herausforderungen wie z.B. immer mehr zu wollen und überzeugt zu sein, dass „Sieg nicht alles ist“, aber wohl das größte Geheimnis des Gewinnens.

Was würdest Du machen, wenn Du nicht mehr klettern könntest?

Ich würde wahrscheinlich in einer Irrenanstalt ein Praktikum machen oder etwas anderes finden: andere Herausforderungen. Aber im Moment denke ich nicht, dass es mich so glücklich machen würde, wie wenn ich klettere.

Was zeichnet Dich aus, was sind Deine Stärken?

Dickköpfigkeit. Ich bin nicht der talentierteste Kletterer, aber ich streng mich sehr an.

Und was sind Deine Schwächen?

Da gibt es einen Satz in der Sportpsychologie: „Wenn man hart trainiert, dann vergisst man, dass es nur ein Spiel ist und wenn man noch härter trainiert, dann vergisst man noch mehr, dass es immer noch das gleiche Spiel ist." ... das ist wohl meine größte Schwäche, dass ich manchmal vergesse, dass es nur ein Spiel ist.