Climbing

Michael Lerjen (SUI)

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Geburtstag: 21.09.1985
Wohnort: Zermatt, Schweiz

Profi-Alpinist Michael Lerjen aus Zermatt wurde mit elf Jahren von seinem Vater zum ersten Mal mit aufs Matterhorn genommen. Mit 18 bezwang er als jüngster Europäer einen 8000er (Nanga Parbat) ohne Sauerstoff. Im Mai 2010 erfüllte der Bergführer in der 6. Generation dem vierfachen Skisprung-Olympiasieger Simon Ammann einen lang gehegten Traum: seinen ersten Viertausender zu besteigen.

Wie bist Du zum Klettern/ Bergsteigen gekommen?

Die Berge haben große Tradition in meiner Familie. Schon seit Generationen (ich bin die sechste) sind wir Bergführer. Da war es naheliegend, dass auch ich diesen Weg gehe. So hat mich mein Vater Urs im Alter von elf Jahren das erste mal mit auf’s Matterhorn genommen - mein erster 4000er. So war der Grundstein gelegt!

Gab es damals Herausforderungen, an die Du Dich heute noch erinnern kannst?

Ja viele, von den Nordwänden bis zu den 8000ern. Ich bewunderte und bewundere noch immer die kühnen Leistungen eines Walter Bonatti in den Alpen und eines Erhard Loretan im Himalaya. Ich konnte mir damals nie vorstellen, dass ich da auch mal hinkomme, aber da war ich zehn Jahre alt. Danach ging es ziemlich schnell, meine Furcht verschwand und die Neugier bekam langsam die Überhand!

Worauf legst Du heutzutage Deinen Schwerpunkt?

Mmh, das ist schwer zu sagen. Ich denke ich muss das machen, was mir Spaß macht! Mir ist aber in erster Linie wichtig, schöne Dinge zu erleben und weniger Sachen zu machen, die Aufmerksamkeit erregen!

Was löst die Leidenschaft und die Besessenheit aus, mit der Du Deinen Sport betreibst? Was treibt Dich an?

Eine tiefe Zufriedenheit nach den Touren, das Bier ist besser und der Sex auch. :-) Mein größter Antrieb ist jedoch die Ehrlichkeit, die mir die Berge entgegen bringen. Sie enttäuschen dich nicht und sind immer fair. Sind sie zu stark bist du zu schwach! Das ist das, was mich antreibt, diese unglaubliche Ehrlichkeit die du zurück bekommst wenn du den Bergen mit Respekt begegnest.

Hattest oder hast Du in Deinem Sport ein Vorbild?

Oh ja, leider viel zu viele! Ein Walter Bonatti mit seinem Willen, ein Güllich mir seiner Eleganz, ein Erhard Loretan mit seiner Lockerheit! Und mein Großvater. Er ist als Bergführer mein großes Vorbild geblieben. Er hat seine Touren für sich und seine Gäste geführt, nicht um Bücher zu schreiben!

Hat das Bergsteigen und die Liebe zur Natur beispielsweise auch Einfluss auf Deinen beruflichen Werdegang gehabt?

Klar, ich wollte immer Bergführer werden! Das wusste ich, seit ich in der 6. Klasse war. Ich hatte und habe immer nur Berge im Kopf. 

Wie viel Zeit verbringst Du effektiv pro Tag oder pro Woche draußen am Berg?

Eigentlich fast jeden Tag wenn’s Wetter passt, ob im Winter mit den Skis oder im Sommer mit Gästen. Ach ja in den Ferien dann noch Klettern und Expetitionen. Ja man kann sagen fast jeden Tag...

Was würdest Du machen, wenn Du aus irgendeinem Grund von heut auf morgen nicht mehr klettern/ Bersteigen könntest?

Weiter Bücher lesen und davon träumen, wie als Kind.

Wie setzt Du Dich mit dem Thema Lebensgefahr auseinander? Versucht Du das eher auszublenden?

Nein, ausblenden wäre falsch meiner Meinung nach. Aber es ist „Part of the Game“! Ich denke wichtig ist, dass man alles, was man macht, immer wieder hinterfragt und sich selber kritisch gegenüber steht! Aber ein Restrisiko bleibt und damit muss man leben.

Hast Du dieses Bewusstsein der Gefahr im Laufe der Jahre aufgrund von Erfahrungen entwickelt?

Ich bin damit aufgewachsen. Oft ist mein Vater ausgerückt, um Tote zu bergen, so war mir klar, dass es auch ein Risiko mit sich bringt, in die Berge zu gehen!

Wie würdest Du Dich selber beschreiben? Als Abenteurer oder Extremsportler - oder keines von beidem?

Als Bergführer, mit dem Hang zu schönen Bergen auf der ganzen Welt!

Nach welchen Kriterien wählst Du Deine Projekte aus?

Nach Bauchgefühl und der Schönheit des gesamten Erlebnisses.

Was war bisher Dein schwierigstes Projekt und was war Dein schönstes?

Mmh, das kann ich so leider nicht sagen. Alle Projekte haben etwas an sich was ich als schwer erachte: Der Rekord am Matterhorn des Willens wegen, der Jasemba des Schnees wegen und Patagonien aufgrund des Wetters! Am schönsten war für mich aber der Rekord am Matterhorn, da dieser seit 54 Jahren von meinem Großvater gehalten wurde!

Was muss man mitbringen, um als Bergsteiger und Kletterer erfolgreich zu sein?

Wille und Ehrfurcht.

Was sind Deine Stärken? 

Mein Wille.

Und Deine Schwächen?

Sehr launisch - also jähzornig trifft es besser.

Wie war die Besteigung des Breithorns mit Simon Ammann?

Es waren einfach super Tage mit einem mega-coolen Gast. Alles hat gepasst und genau das hat es so eindrücklich für mich gemacht, vom Schnee bis zu den Leuten alles hat gepasst!