Climbing

Barbara Zangerl (AUT)

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Geburtstag: 24.05.1988
Wohnort: Strengen am Arlberg, Österreich

Barbara Zangerl hat das geschafft, wovon viele Klettersportler träumen – sie hat sich mit viel Geduld einen neuen Schwierigkeitsgrad erarbeitet und als erste Frau überhaupt ein 8b Boulder Problem bewältigt. Aufgrund eines Bandscheibenvorfalls hat sich die 1,62 Meter große und 54 Kilogramm leichte Tirolerin in den letzten Monaten etwas mehr auf das Routenklettern konzentriert - und auch dort bewältigt sie Höchstschwierigkeiten im Ausdauerbereich.

Wie bist du zum Klettern gekommen? Wer hat dich herangeführt?

Mein Bruder hat mich zum ersten Mal zum Klettern mitgenommen, da war ich 14 Jahre alt. So habe ich angefangen. Wir sind zusammen in die Boulderhalle nach Flirsch gefahren. Mir hat das Klettern von Anfang an viel Spaß gemacht. Nach meinem ersten Besuch in der Halle, war ich dann schon regelmäßig beim Klettern. Später war ich sehr viel mit meiner Schwester und mit Bernd (Zangerl) unterwegs. Der Bernd hat uns zum ersten Mal an den Fels geführt. Gemeinsam haben wir die verschiedenen Bouldergebiete in der Schweiz erkundschaftet. An das erste Felserlebnis kann ich mich noch sehr gut erinnern. Damals konnte ich mir kaum vorstellen, dass das Klettern am Fels noch schöner sein kann als alles andere, was ich zuvor gemacht habe. Es war ein einschneidendes Erlebnis für mich.

Was ist das besondere am Klettern? Was löst die Leidenschaft und Besessenheit aus, mit der du diesen Sport betreibst?

Ich liebe es in der Natur zu sein, in verschiedene Gebiete zu fahren und coole Boulder oder Routen zu probieren. Das Klettern und der damit verbundene Lifestyle sind mir einfach wichtig. Es macht mir sehr viel Spaß mit meinem Freund oder Freunden zu verreisen und Neues zu entdecke - Adventures!

Dazu kommt noch, sich Herausforderungen zu stellen und diese zu meistern. Wenn es gelingt etwas zu schaffen, das am persönlichen Limit liegt, ist das für mich ein unglaubliches Gefühl, das mich beflügelt, weiter zu machen und meine Grenzen auszuloten.  

Wie viel Zeit verbringst du beim Klettern?

Über den Winter trainiere ich viel in der Halle. Im Sommer versuche ich so viel wie möglich draußen am Fels zu sein. Zurzeit gehe ich ja noch zur Schule. Ich mache eine medizinisch-technische Ausbildung. Da hab ich schon genügend Freizeit, in der ich viel unternehmen kann. Wenn ich meine Ausbildung abgeschlossen habe, möchte ich mir eine kleine Auszeit nehmen. Ich würde gern nach Amerika reisen. Da gibt’s ein riesiges Bouldergebiet Namens Hueco Tanks - das möchte ich mir gern anschauen… 

Und was würdest du machen, wenn du nicht mehr klettern könntest?

Das kann ich mir nicht vorstellen. Keine Ahnung! Vielleicht würde ich etwas suchen, das mir ähnlich viel Spass macht...

Wie setzt du dich beim Bouldern mit der Gefahr auseinander?

Es gibt beim Bouldern spezielle High Balls. Die liegen ab fünf Meter und höher. Da verwenden wir zwar echt dicke Mondo Chrashpads. Trotzdem muss man schon vorsichtig sein, denn wenn man aus einer gewissen Höhe stürzt - da kann man sich echt anständig verletzten...

Wenn ich so etwas Hohes probiere, dann muss ich mir wirklich sehr sicher sein. Oder ich versuche es zuerst mit Seil und klettere erst dann ohne, wenn ich weiß, dass ich es auch klettern kann.  

Wie würdest Du dich selbst bezeichnen? Als Kletterer oder Boulderer?

Ich finde Bouldern ist einfach ein Teil vom Klettern. Wenn ich Lust habe zum Bouldern, gehe ich bouldern und sonst eben Routen klettern. Das Bouldern macht mir momentan einfach mehr Spaß darum bin ich viel öfter mit Chrashpad unterwegs als mit Seil. Ich gehöre derzeit sicher eher zur Sparte Boulderer…

Beim Bouldern brauchst du dich nicht ums Seil zu kümmern und kannst dich intensiver der Bewegung auseinandersetzten. Das inspiriert mich und gibt mir mehr die Möglichkeit mich zu entfalten.

Allerdings kannst du aus gesundheitlichen Gründen derzeit nicht so viel zum Bouldern gehen, richtig?

Ich habe seit einem halben Jahr einen Bandscheibenvorfall. Daher habe ich mich in letzter Zeit etwas mehr aufs Routenklettern konzentriert. Anfang des Jahres habe ich zunächst die Caramello Tour im Zillertal gefunden. Ich fand’s richtig klasse, mal mehr zu klettern, also mehr Meter zu machen und nicht nur die ganze Energie in die Maximalkraft zu stecken sondern etwas mehr mit der Ausdauer zu spielen. Dort ist es mir ziemlich schnell gelungen, durch die Schlüsselstelle am Schluss zu kommen.

Mein Problem war eher, dass ich am Schluss noch die Kraft habe, die letzten schweren Züge zu meistern. Und das hat relativ schnell hingehauen.  

Was macht für Dich den Reiz eines Boulder Problems aus?

Wenn ich einen Boulder finde der mir gefällt - zum Beispiel ein schöner Block, coole Bewegungen, geniale Griffe - da ist der Reiz dann sehr groß, so etwas zu versuchen. 

Und was macht einen ‚lässigen Boulder’ aus?

Ich persönlich bevorzuge Granit oder Sandstein zum Klettern. In diesem Gestein gibt’s meist schöne Strukturen. Am besten sind die Boulder, bei denen es nur einen Weg nach oben gibt, also wo die Linie offensichtlich ist.  

Was war Dein bisher schwierigstes Projekt?

Ganz klar Pura Vida. Momentan entspricht Pura Vida sicher meinem Limit. Wenn ich bei Pura Vida einen schlechten Tag hatte gelang mir der erste Zug nicht. Somit war ich einfach nicht fit oder zu wenig erholt - darum hatte es an solchen Tagen auch keinen Sinn, weitere Energie in dieses Problem zu stecken. Dann hab ich mich einfach mit einfacheren Bouldern beschäftigt.

Was muss man mitbringen, um in diesem Sport erfolgreich zu sein?

Wenn dich das Klettern begeistert und du Spaß daran findest, kann es nur nach vorne gehen. Aber Ehrgeiz und eine ordentliche Portion Motivation schaden auch nicht… 

Was waren die bisherigen Highlights deiner Kletterkarriere?

Da gibt es viele, ganz verschiedene. Pura Vida gehört natürlich dazu. Das hat mich einige harte Tage gekosten, denn es war mein absolutes Limit. Bei Pura Vida musste ich die für mich schwerstmöglichen Züge machen. Dieses Jahr habe ich meinen Schwerpunkt eher ins Routenklettern verlegt und da waren meine Highlights Ausdauerrouten wie Caramello oder Coq au Vin. Hier geht es eher darum, einen kühlen Kopf zu bewahren, viele Züge zusammenzuhängen und schwierige Passagen von Anfang bis Ende durchzuhalten.

Ansonsten fasziniert es mich, das Ganze zu kombinieren, also nicht nur das Bouldern zu sehen sondern auch im Routenklettern Fuß zu fassen und beides miteinander zu verbinden. High Balls fand ich auch schon immer lässig – da ist eines meiner Highlights der Boulder ‚Falsche Götter’ in Galtür. Der ist 8 Meter hoch. Hier geht es in erster Linie darum, seine Angst zu überwinden. Man hat Angst, runterzufallen und sich weh zu tun. Das ist einfach Klettern auf einer anderen Ebene.

Findest du, dass die Anzahl der Frauen im Klettersport zunimmt?

Bouldern und Klettern boomt generell sehr stark ob Mann oder Frau. Es werden viele Kletterhallen gebaut, die Tourismusverbände bemühen sich, eine Infrastruktur am Fels zu schaffen und man sieht momentan viele Leute in Klettergärten und Bouldergebieten. Das bringt aber nicht nur Positives mit sich… Teilweise sind die Gebiete schon überlaufen und es sieht oft auch dementsprechend aus - Müll, Hundekot und so weiter. 

Was muss man mitbringen, um klettern zu können?

A bissl Mut und Motivation.

Vom Klettern bekommt man ja recht grobe Hände – stört dich das als Frau?

Was soll das denn heißen... (lacht). Ja, stimmt vielleicht schon. Seitdem ich intensiv klettere, hab ich vielleicht etwas stärkere Finger bekommen - aber wenn es nicht so wäre, hätte ich wohl schon einige Verletzungen gehabt. Ringband & Co. Die etwas dickeren Finger sind sicher nicht von Nachteil - und grob sind sie ja nicht.

Beschreibe doch mal dein schwerstes Boulder Problem - Pura Vida - und warum du so stolz bist, es gemeistert zu haben?

Für mich persönlich war es ein Highlight und sicher mein schwierigster Boulder bis jetzt.Ich habe viele Versuche in dieses Projekt gesteckt und einige Tage benötigt. Nach einigen schmerzenden Löchern in meinen Fingern und vielen misslungenen Versuchen wusste ich, dass es irgendwann klappen wir - die Frage war nur noch wann? Das hat mich motiviert und darum war es für mich schlussendlich ein großer Erfolg.

Pura Vida befindet sich im Averstal in der Schweiz, eine halbe Stunde südlich von Chur. Das Bouldergebiet nennt sich Magic Wood. Am besten kann ich diesen Boulder beschreiben, als einen ziemlich überhängenden Bauch mit einigen Leisten und einem auffallenden kleinen Loch im Granit, das sich am Schluss des Problems wieder findet. Die Boulderlinie zieht von links anfangend kurz nach rechts und dann senkrecht nach oben. Für mich waren es 15 Züge bis zum Top.

Wie und wie lange hast du dich auf Pura Vida vorbereitet?

Im Frühjahr 2006 hab ich Pura Vida zum ersten Mal probiert. Anfangs habe ich nur ein paar Züge ausgecheckt. Die Züge von Pura Vida waren einfach genial. Es machte mir richtig Spaß, mich daran zu versuchen… Leider holte ich mir im Sommer 2006 eine Bänderverletzung und musste nach der darauf folgenden Operation für längere Zeit pausieren… Ich war erst ein Jahr später wieder im Magic Wood.

In Summe war ich von 2006 bis 2008 vierzehn Tage dort. Trainiert hab ich für diesen Boulder immer direkt am Fels. Ich bin im Frühjahr und Herbst regelmäßig in das Averstal gefahren, um die einzelnen Züge zu versuchen. Da hab ich dann schon intensiv an den Einzelzügen trainiert und einige kurze Passagen öfters geklettert. Dadurch konnte ich die Züge von Tag zu Tag etwas leichter machen. 

Was war für dich die größte Schwierigkeit bei Pura Vida?

Insgesamt konnte ich die Einzelzüge von Pura Vida relativ schnell machen aber wie ich die ganzen Züge verbinde, das war mir ein Rätsel. Pura Vida teilt sich in zwei Schlüsselpassagen auf. Zwei schwierige Schulterzüge gleich am Anfang bilden die erste schwierige Sequenz. Ich hatte immer Probleme bei diesen Zügen. Für meine Reichweite sind sie einfach am Limit … Ich konnte diese Stelle nicht oft versuchen, weil ich oft Schmerzen in der rechten Schulter bekam.

Eine weitere Crux stellte sich erst später heraus und zwar der Schluss von Pura Vida erschien anfangs als unmöglich. Vor allem der Zug zu einem kleinen Granitloch bereitete mir ziemliche Schwierigkeiten. Aber durch meine Versuche an diesem Boulder wurde ich stärker und konnte die Griffe mit der Zeit besser halten...

Wie muss man sich Schwierigkeitsgrad 8b vorstellen – warum ist es für Frauen so schwer, diesen Schwierigkeitsgrad zu klettern?

Es gibt sehr viele Faktoren die ab diesem Level entscheidend sind. Die Größe zum Beispiel, oder ganz speziell schwierige Einzelzüge, die einfach nicht für jedermann machbar sind.

Ich glaube, dass es bei hohen Schwierigkeitsgraden sehr auf die individuellen Stärken ankommt. Es gibt Boulder, die liegen einem, und andere einfach nicht. Man muss die Motivation dazu finden, einen schwierigen Boulder zu versuchen und auch dafür zu trainieren. Wenn man ein bestimmtes Ziel mit ganzem Willen verfolgt, dann ist sehr wohl auch für Frauen möglich sehr schwer zu bouldern. Da geht sicher noch einiges mehr…

Ist Wettkampfklettern ein Thema für dich?

Mit Wettkampfklettern habe ich auch schon meine Erfahrungen gemacht. Ab und zu ist das ganz lässig, denn dort kann man schnell an seine Grenzen stoßen. Beim Wettkampfklettern muss man 100 Prozent zu einem bestimmten Zeitpunkt geben, denn man muss einen Boulder oder eine Route mit möglichst wenig Versuchen klettern können. Und das ist wieder ganz was anderes. Für mich persönlich ist das jedoch nicht so wichtig. Ich bin lieber draußen. Mich fasziniert die Natur und das Klettern mit der Natur zu verbinden, anstatt an einer Kunstwand auf Zeit Leistung zu bringen. 

Was zeichnet Dich aus, was sind Deine Stärken?

Ich liebe kleine scharfe Griffe… 

Und was sind Deine Schwächen?

Weite Züge und Sprünge. Mmh, ich habe viele Schwächen...