Geburtstag: 17.11.1987
Wohnort: Hohenems, Österreich
Alex Luger zählt zu den herausragenden jungen Sportkletterern in Vorarlberg. Er wiederholte als erster die ‚cleane’ Durchsteigung von Beat Kammerlanders Route Prinzip Hoffnung an der Bürser Platte in Vorarlberg.
Wie bist Du zum Klettern gekommen? Wer hat Dich herangeführt?
Da mich meine Eltern von Anfang an zum Klettern mitnahmen, wuchs ich quasi in den Bergen auf. Sie konnten mich und meine Schwestern ja nur schlecht alleine zuhause lassen. Trotzdem hatte ich eine ganz „normale„ Kindheit. Wenn wir mit zum Klettern gingen, hatte ich mehr Spaß mit der Seilschaukel oder beim „Zündeln“ (Feuer machen) als beim Klettern. Richtig angefangen zu klettern habe ich dann mit elf Jahren. Ich kann mich noch gut an das Gefühl erinnern, als mich mein Vater das erste Mal über die Kante der Verdon-Schlucht in die 300 Meter senkrecht abfallende Wand abseilte. Es war eine Mischung aus Angst, Neugierde und einer großen Portion Vertrauen, als mir mein Vater versicherte, er könne mich jederzeit wieder hochziehen. Als ich dann die ersten Griffe in der Hand hatte, verspürte ich nur noch Lust zu klettern. Die Angst war weg. Es war der Beginn einer Leidenschaft zu den Bergen, die immer stärker wird und sich stetig weiter entwickelt. Ich hatte großes Glück, dass ich die Möglichkeit hatte die ersten Kletterjahre viel mit meinem Vater in den Bergen unterwegs zu sein und von ihm lernen zu können. Nicht nur bezüglich den Hard Skills wie Seilmanagement oder Standplatzbau. Auch bekam ich Einblick in seine Wertvorstellungen seine persönliche Ethik. Ich möchte keinesfalls behaupten, ich habe sie damals verstanden oder einfach übernommen, aber sie waren richtungweisend. Eine Basis auf der meine Wertvorstellungen aufgebaut sind und sich meine Ethik weiterentwickeln kann.
Wie wichtig ist Dir die Ethik beim Klettern und was macht sie aus?
Sie ist unumgänglich im Klettersport und nicht nur dort. Sie ist die Rechtfertigung für mein Tun als Mensch. Wieso klettern?! Wieso in die Berge gehen?! Ich glaube, die Auseinandersetzung mit der Ethik - sprich dem Sammeln von Werten und Erstellen einer Wertehierarchie - haben der Hallenkletterer, der Boulderer, der Sportkletterer und der Alpinist. Natürlich unterscheiden sich die jeweiligen Ansichten. Jene eines Indoorkletterers sind nicht vergleichbar mit denen eines Alpinisten. Auch für einen Alpinisten ist es schwer nachzuvollziehen, dass die Suche nach dem schwierigsten Move erfüllend sein soll. Andere Vorgaben, andere Ziele, andere Werte. Was ich damit sagen will ist: Ethik ist ein wesentlicher Teil des Kletterns, unabhängig welche Spielform man betreibt und wie intensiv man seiner Leidenschaft nachgeht. Meine Ethik, meine Überzeugungen, sind meine „Spielregeln“, ist mein Abenteuer, ist meine Freude und mein Leid, sie definiert mich, wie ich das Klettern betreibe, widerspiegelt mein Charakter, macht es unmöglich mich anzulügen. Ich versuche gerade eine Erstbegehung und vorgestern als ich vor der Wand stand war die Stelle an der ich das letzte Mal gescheitert bin wieder nass. Hm shit. Naja ich packte es an, hatte aber keine Chance, ich weiß nicht wie oft ich ins Seil fiel, aber ich hatte die Schnauze gestrichen voll, überlegte mir wie einfach und bequem es wäre, wenn ich einen Bohrhaken von meiner letzten Sicherung aus bohren würde. Gleichzeitig wusste und fühlte ich, dass das nicht mein Stil ist, nicht meinen Überzeugungen entspricht, eine Linie erst zu begehen, also seilte ich ab. Froh darüber nicht die bequeme Variante gewählt zu haben, freue ich mich nun umso mehr auf den nächsten Versuch…!
Was ist das besondere am Klettern? Was löst die Leidenschaft und Besessenheit aus, mit der du diesen Sport betreibst?
Ich bin ein sehr naturverbundener Mensch. In den Bergen fühle ich mich daheim, bin ausgeglichen. Städte und Menschenmassen hingegen setzen mir auf Dauer zu. Klettern ist für mich noch ein Stück Anarchie. Ich selbst kann entscheiden, ob ich weiter klettere oder abseile, werde mit Situationen konfrontiert, die meine Existenz berühren, die mir Entscheidungen aufzwängen. Das Schlagwort lautet “wirkliche“ Eigenverantwortung zu übernehmen, in einer Gesellschaft, in der es schon schwer fällt sich für einen Joghurt aus dem Sortiment des Kühlregals zu entscheiden - mit dem Unterschied, dass die Konsequenz beim „falschen“ Joghurtkauf eine andere ist. Diese Freiheit zu klettern wo und wie ich will, mich mit Schwierigkeiten und Risiken zu konfrontieren, daran zu wachsen, die Chance mündig und im „vollen“ Bewusstsein der Konsequenzen zu klettern und in die Berge zu gehen, das ist meine Leidenschaft.
Hattest Du selber ein Vorbild?
Die Leistungen von Hermann Buhl haben mir in meiner Jugend sehr imponiert, allgemein die Leistungen der Alpinisten in der Vor- und Nachkriegszeit. Beat Kammerlander, Martin Scheel bewundere ich für ihren Erstbegehungsstil im Rätikon - diese Routen waren ihrer Zeit weit voraus. Aber mich faszinieren nicht nur die Leistungen der Kletterprotagonisten sondern Menschen mit Leidenschaft im Allgemeinen. Wenn beim Erzählen die Augen funkeln und eine unglaubliche Energie von ihnen ausgeht.
Wie viel Zeit verbringst Du am Berg?
Ich gehe so vier bis fünf Mal in der Woche Klettern. An den anderen Tagen bin ich auch meistens mit dem Fahrrad oder Ski unterwegs. Ich schätze die Vielseitigkeit, die uns die Berge bieten. Je nach Jahreszeit gehe ich Sportklettern/ Bouldern, Eisklettern und Alpinklettern.
Auf welche Routen/ Projekte bist Du besonders stolz und warum?
Für mich haben die alpinen Sportkletterrouten, wie zum Beispiel im Rätikon oder die Routen an den Wendenstöcke, große Bedeutung. Von klassischen Routen in den Dolomiten, im Val di Mello oder im Bergell kann ich sehr lange zehren. An den ein oder anderen Highball im „Ground up“ Style werde ich mich wohl auch noch länger erinnern. Meine jüngste Leidenschaft gilt dem Trad-Climbing, weil das Engagement hoch ist und eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Person gefordert ist. Es werden beim Klettern und Sichern die natürlichen Strukturen einer Wand genützt und im besten Fall keine Spuren außer Kreide hinterlassen. Eine ursprüngliche Art des Kletterns.
Was würdest Du machen, wenn Du nicht mehr klettern könntest?
Hm, gemeine Frage! Habe mal von dieser Welt ohne klettern gehört! Für mich nur schwer vorstellbar (lacht). Nein Spaß bei Seite. Mit Grundvertrauen ins Leben ist auch neben bzw. nach dem Klettern ein erfülltes Dasein möglich.
Dein Leben hängt ständig am seidenen Faden bzw. an ein oder zwei Fingern. Wie setzt du dich mit der Gefahr zu Sterben auseinander?
Grundsätzlich glaube ich, dass kein Mensch in seinem Leben vor dieser Auseinandersetzung fliehen kann. Klar ist die Konfrontation mit dem Tod in meinem Kletterleben „häufiger“ beziehungsweiße „realer“ als theoretische Überlegungen am Schreibtisch. Ich setze mich intensiv mit diesem Thema auseinander, habe mir eine Art „Risikomanagement“ angeeignet um eben gefährliche Situationen richtig abzuschätzen. Risikomanagement nicht im klassischen Sinn wie aus einem Lehrbuch, sondern basierend auf eigenen Erfahrungen, erlebten Situationen, Intuition und - ganz klar - auch Glück. Es ist kein Geheimnis: Je gefährlicher eine Situation, umso stärker das Lebensgefühl bzw. der Überlebensdrang. Mich faszinieren Routen, die viel Engagement und Selbstständigkeit erfordern - sicherungs- und klettertechnisch. Nicht weil ich ein Draufgänger bin, sondern mündig sein will, echte Verantwortung für mich übernehmen möchte. Das alles funktioniert aber nur solange, wie ich mich der Situation gewachsen fühle, was natürlich auch ganz stark von der Tagesverfassung abhängt. Mitentscheidend ist für mich in diesem Fall auch, mit wem ich unterwegs bin. Klar, dass ich nicht alle Situationen richtig abschätzen kann, womit wir wieder beim Glück wären. Um persönliche Grenzen verschieben zu können, muss man über das Bekannte/ Gewohnte hinausgehen und ins Abenteuer hinein.
Was macht für Dich den Reiz einer Erstbegehung aus?
Du beschäftigst dich intensiv mit einer Wand, suchst kletterbare Strukturen und verbindest diese zu einer Linie. Du kletterst ins Neuland, hast die Möglichkeit, dich mit deinen psychischen und physischen Barrieren zu konfrontieren und Grenzen auszuloten. Die Möglichkeit, einen persönlichen Stil zu entwickeln, wie du eine Linie angehst und realisierst.
Nach welchen Kriterien wählst Du eine neue Route aus?
Allgemein klettere ich gerne in senkrechten bis leicht überhängenden technisch anspruchsvollen Wänden. Ich bemühe mich aber auch vielseitiger zu werden, sprich meine Schwächen wie zum Beispiel Dächer auf ein moderates Leistungsniveau zu pushen. Für mich macht’s die Abwechslung aus!
Was war Dein bisher schwierigstes Projekt?
Ein persönliches Highlight war sicher die erste Clean-Wiederholung von“ Prinzip Hoffnung“ im Dezember 2009.
Was muss man mitbringen, um in diesem Sport erfolgreich zu sein?
Lust zu klettern, Leidenschaft, auch mal die Zähne zusammenbeißen können.
Was zeichnet Dich aus, was sind Deine Stärken?
Einige Meter über der letzten Sicherung kann ich am meisten Kräfte mobilisieren - mental und physisch…
Und was sind Deine Schwächen?
Ich habe oft Probleme, mich in der Halle zu motivieren, weil ich Indoor nicht auf meinem Felsniveau trainieren kann…











