Climbing

Pura Vida

Barbara Zangerl schafft 8b Boulder Problem

 

Die 22jährige Tirolerin Barbara Zangerl hat das geschafft, wovon viele Klettersportler träumen – sie hat sich mit viel Geduld einen neuen Schwierigkeitsgrad erarbeitet und als erste Frau überhaupt ein 8b Boulder Problem bewältigt! Wir haben mit der jungen Tirolerin über ihre sensationelle Leistung, ihre nie enden wollende Motivation und ihre Leidenschaft für den Sport gesprochen.

  

Beschreibe doch mal dein bisher schwerstes Boulder Problem - Pura Vida - und warum du so stolz bist, es gemeistert zu haben?

Für mich persönlich war es ein Highlight und sicher mein schwierigster Boulder bis jetzt.Ich habe viele Versuche in dieses Projekt gesteckt und einige Tage benötigt. Nach einigen schmerzenden Löchern in meinen Fingern und vielen misslungenen Versuchen wusste ich, dass es irgendwann klappen wir - die Frage war nur noch wann? Das hat mich motiviert und darum war es für mich schlussendlich ein großer Erfolg.

Pura Vida befindet sich im Averstal in der Schweiz, eine halbe Stunde südlich von Chur. Das Bouldergebiet nennt sich Magic Wood. Am besten kann ich diesen Boulder beschreiben, als einen ziemlich überhängenden Bauch mit einigen Leisten und einem auffallenden kleinen Loch im Granit, das sich am Schluss des Problems wieder findet. Die Boulderlinie zieht von links anfangend kurz nach rechts und dann senkrecht nach oben. Für mich waren es 15 Züge bis zum Top.

 

Wie und wie lange hast du dich auf Pura Vida vorbereitet?

Im Frühjahr 2006 hab ich Pura Vida zum ersten Mal probiert. Anfangs habe ich nur ein paar Züge ausgecheckt. Die Züge von Pura Vida waren einfach genial. Es machte mir richtig Spaß, mich daran zu versuchen… Leider holte ich mir im Sommer 2006 eine Bänderverletzung und musste nach der darauf folgenden Operation für längere Zeit pausieren… Ich war erst ein Jahr später wieder im Magic Wood.

In Summe war ich von 2006 bis 2008 vierzehn Tage dort. Trainiert hab ich für diesen Boulder immer direkt am Fels. Ich bin im Frühjahr und Herbst regelmäßig in das Averstal gefahren, um die einzelnen Züge zu versuchen. Da hab ich dann schon intensiv an den Einzelzügen trainiert und einige kurze Passagen öfters geklettert. Dadurch konnte ich die Züge von Tag zu Tag etwas leichter machen.

 

Was war für dich die größte Schwierigkeit bei Pura Vida?

Insgesamt konnte ich die Einzelzüge von Pura Vida relativ schnell machen aber wie ich die ganzen Züge verbinde, das war mir ein Rätsel. Pura Vida teilt sich in zwei Schlüsselpassagen auf. Zwei schwierige Schulterzüge gleich am Anfang bilden die erste schwierige Sequenz. Ich hatte immer Probleme bei diesen Zügen. Für meine Reichweite sind sie einfach am Limit … Ich konnte diese Stelle nicht oft versuchen, weil ich oft Schmerzen in der rechten Schulter bekam.

Eine weitere Crux stellte sich erst später heraus und zwar der Schluss von Pura Vida erschien anfangs als unmöglich. Vor allem der Zug zu einem kleinen Granitloch bereitete mir ziemliche Schwierigkeiten. Aber durch meine Versuche an diesem Boulder wurde ich stärker und konnte die Griffe mit der Zeit besser halten...

 

Wie muss man sich Schwierigkeitsgrad 8b vorstellen – warum ist es für Frauen so schwer, diesen Schwierigkeitsgrad zu klettern?

Es gibt sehr viele Faktoren die ab diesem Level entscheidend sind. Die Größe zum Beispiel, oder ganz speziell schwierige Einzelzüge, die einfach nicht für jedermann machbar sind.

Ich glaube, dass es bei hohen Schwierigkeitsgraden sehr auf die individuellen Stärken ankommt. Es gibt Boulder, die liegen einem, und andere einfach nicht. Man muss die Motivation dazu finden, einen schwierigen Boulder zu versuchen und auch dafür zu trainieren. Wenn man ein bestimmtes Ziel mit ganzem Willen verfolgt, dann ist sehr wohl auch für Frauen möglich sehr schwer zu bouldern. Da geht sicher noch einiges mehr…

 

Fotos: Beat Kammerlander

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